Archäologie-Urlaub: Ferien oder Grabung?

Archäologische Reisen: Laien und Fachleute

Wer sind Urlauber, wer Archäologen?

Teilnahmegebühr statt Lohn – Laien statt Profis! So sieht die Realität auf archäologischen Ausgrabungen immer häufiger aus, und ich frage mich: Verkommt die Wissenschaft zum Aktivurlaub – oder eröffnen sich uns vielleicht ungeahnte Möglichkeiten?

Auf der Suche nach einer Antwort stellen sich mir zunächst noch mehr Fragen:

Zum Beispiel ist es mir überhaupt nicht schlüssig, was genau ein Archäologie-Urlaub sein soll. Denn für mich als Archäologin ist und bleibt eine Ausgrabung harte Arbeit, wohingegen ein Urlaub eher eine Art der Erholung darstellt.

Nach einer gründlichen Recherche im Netz steht fest – im Regelfall handelt es sich bei einem Archäologie-Urlaub um nichts anderes als um die Teilnahme an einer archäologischen Ausgrabung, für die der „Urlauber“ selbst zahlt. Manch einen gestandenen Wissenschaftler mag da die Angst beschleichen, einer Horde ungeschulter Laien gegenüberzustehen, die mit unserem kulturellen Erbe hantieren – womöglich ohne sich darüber im Klaren zu sein, was sie da tatsächlich in ihren Händen halten, bzw. wo sie gerade mit ihren Füßen hinüber stapfen.

Aber kann man das wirklich so sehen? Immerhin kommen diese „Urlauber“ freiwillig dorthin. Sie bezahlen freiwillig dafür, an einer archäologischen Ausgrabung teilzunehmen und sie haben auf jeden Fall eines mit den professionellen Archäologen gemeinsam – das Interesse für unsere Geschichte und den Wunsch, unser kulturelles Erbe zu schützen.

Zugegeben – von den Grundtechniken, die bei einer archäologischen Ausgrabung zum Einsatz kommen, haben sicherlich die wenigsten Laien eine Ahnung. Aber seien wir mal ehrlich – ist es tatsächlich so kompliziert, diese Techniken zu erlernen? Immerhin macht man mit Archäologiestudenten auch nichts anderes, wenn man sie im Rahmen des Studiums auf eine Pflicht-/Lehrgrabung schickt, um ihnen die archäologische Feldarbeit näherzubringen. Die wenigsten Studenten haben Vorkenntnisse, wenn sie bei ihrer ersten Grabung ankommen. Trotzdem ist es mein Eindruck, dass Lehrgrabungen generell einen positiveren Ruf haben, als der sogenannte Archäologie-Urlaub. Und das nicht nur bei den Archäologen selbst, sondern auch bei Außenstehenden, mit denen ich mich im Laufe der Jahre immer wieder über dieses Thema unterhalten habe.

Dabei finden tatsächlich viele Lehrgrabungen auf bereits ausgegrabenen Gebieten statt, wo nichts Wichtiges mehr kaputt gehen kann – für mich eine äußerst merkwürdige Art der Vermittlung von Grabungstechniken. Beim Archäologie-Urlaub hingegen nimmt man an einer laufenden Ausgrabung teil, zu der im Regelfall eine gründliche Einweisung und eine durchgehende Begleitung durch erfahrene Archäologen gehört. Deshalb fällt es mir schwer, das doch eher negative Image des sogenannten Archäologie-Urlaubs nachzuvollziehen.

Auch ich habe an beiden Grabungsformen teilgenommen und muss ganz ehrlich sagen, dass ich auf der bezahlten Grabung weitaus mehr gelernt habe, als auf so mancher Lehrgrabung. Und das bezieht sich nicht nur auf die Grabungstechnik allein, sondern beispielsweise auch auf grundlegende Elemente der Sicherheitsvorkehrungen vor Ort.

Ja – einem Laien kann es passieren, dass er etwas Wichtiges übersieht oder dass er sogar etwas kaputt macht. Aber das passiert den Besten!

Für mich stellt sich an dieser Stelle also tatsächlich die Frage des Nutzens, anstelle der des Schadens, welche die Einbindung von Ungeschulten auf einer archäologischen Ausgrabung erbringen kann. Denn es geht schon lange nicht mehr darum, was man gerne ausgraben würde, sondern darum, was finanziell überhaupt noch machbar ist.

Viele Grabungen werden abgebrochen und andere finden gar nicht erst statt, weil es vorne und hinten an einem fehlt – dem guten Geld.

Und gerade deshalb stehen wir immer häufiger vor der Frage, ob wir unser kulturelles Erbe mithilfe von Freiwilligen ausgraben, oder es schlechten Wetterbedingungen, Grabräubern und vielen anderen verheerenden Faktoren überlassen.

Trotzdem empfinde ich die Bezeichnung „Archäologie-Urlaub“ in gewisser Weise als unpassend, weil sie für mich einfach nicht für das steht, was die freiwillige bzw. ehrenamtliche Teilnahme an einer Grabung tatsächlich ist.

Ich glaube aber, dass dieser Begriff nötig geworden ist, um in der chronisch schwierigen Finanzierungslage auf die Archäologie als solche aufmerksam zu machen, und eben jene zu erreichen, von denen es am Ende abhängt – den Geldgebern zur Realisierung unserer Projekte.
Solange das Verhältnis zwischen professionellen Archäologen und freiwilligen Teilnehmern auf einer Ausgrabung stimmt, kann ich dieses Modell also als vertretbare Lösung für das Finanzierungsproblem einer Ausgrabung ansehen. Es muss aber klargestellt sein:

  • wer hinter dem Projekt steht,
  • wohin das Geld tatsächlich fließt,
  • dass eine durchgehende professionelle Betreuung der Freiwilligen gewährleistet ist
  • und dass die Sicherheitsvorkehrungen den archäologischen Standards entsprechen.

Bei Interesse an einer archäologischen Ausgrabung würde ich mich deshalb immer gründlich über das „Gesamtpaket“ informieren und mich vor unseriösen „Angeboten“ vorsehen. Denn diese können im schlimmsten Fall meine Sicherheit gefährden und helfen niemandem weiter.

Ich empfehle also:

  • Finger weg von Ausgrabungen, bei denen das Tragen von Stoff- und Sportschuhen auf dem Grabungsfeld erlaubt ist!
  • die Suche nach einer passenden Ausgrabung über AFOB (Archaeological Fieldwork Opportunities Bulletin/englischsprachig). AFOB ist die Datenbank des Archäologischen Instituts von Amerika, in der nicht nur Ausgrabungen für Freiwillige, sondern auch für Studenten und Archäologen zu finden sind – und das weltweit.
  • das Bamburgh Research Project in Nordengland, da ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass dies ein besonders durchdachtes und professionelles Projekt ist. Freiwillige können hier zusammen mit Archäologen und Studenten graben und an Kursen teilnehmen, in denen viele weitere Aspekte der Archäologie vermittelt werden. Darüber hinaus trifft man bei diesem Projekt auch auf Filmstudenten, die lernen eine Dokumentation zu drehen und es besteht die Möglichkeit einen Einblick in die Öffentlichkeitsarbeit von archäologischen Projekten zu bekommen.
  • Darüber hinaus macht auf mich der österreichische Verein der Freunde der Archäologie – ARGE Archäologie – einen vernünftigen Eindruck. Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten an einer von Archäologen begleiteten Ausgrabung teilzunehmen, bei denen es auch zusätzliche Vorträge und Ausflüge gibt, die dem Teilnehmer die Archäologie näherbringen sollen. Darüber hinaus gibt es auch tatsächliche Urlaubsangebote, bei denen archäologische Stätten besucht werden – eine Art der Archäologie-Vermittlung, die mir neu ist, aber interessant klingt.

Bildnachweis: @iStock.com/ollirg

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