Museum mal anders: Die außergewöhnlichsten Museen in Berlin

In einer Stadt mit über 170 verschiedenen Museen ist die Frage nach den außergewöhnlichsten definitiv eine Herausforderung für sich. Abgehalten hat mich das aber natürlich trotzdem nicht! Und so finde ich mich plötzlich inmitten des wohl vielfältigsten Museumskosmos Deutschlands wieder – auf der Suche nach dem besonderen Etwas.

Ob vom Blinden-Museum zum Buchstabenmuseum oder vom Klingenden Museum zum Stillen Museum – in Berlin gibt es wahrlich nichts, was es nicht gibt. Vor allem aber gibt es hier das, was es woanders nur selten und bisweilen sogar gar nicht gibt, und gerade das macht mir die Entscheidung schwer.

Mit Ketchup: Das Currywurstmuseum

Allein seines Namens wegen verdient das Deutsche Currywurstmuseum seinen Platz unter den außergewöhnlichsten Museen Berlins. Auf dem Weg dorthin fragt sich meine innere, etwas biedere Klassische-Archäologinnen-Stimme allerdings schon, was da auf mich zukommen wird, und wie man das wohl macht – so eine Ausstellung über Wurst. Immerhin hat es unsereins nur in den seltensten Fällen mit Essen zu tun, und wenn, dann meist mit Speiseresten in verkohlter Form.

Etwas zögerlich und mit einem Audioguide bewaffnet trete ich also ein in die Welt der Currywurst, und steuere die erste Station an, die aus zwei Stehtischen mit Hörerstationen in Form von Ketchupflaschen besteht. Grönemeyers Lied „Currywurst“ stimmt mich ein auf das, was kommt und spätestens ab der dritten Ketchupflasche, die mich über das moderne Imbissdeutsch aufklärt, hat mich die Begeisterung gepackt und die innere Archäologinnen-Stimme schweigt still.

Hörstation im Currywurstmuseum

Während ich gemütlich durch die Ausstellung spaziere, betrete ich voller Zuversicht die sogenannte Gewürzkammer und identifiziere, dank meiner Spürnase, an den fünf Riechproben sage und schreibe ein Gewürz. Wie es ausgerechnet mir als bekennende Teetrinkerin passieren konnte, Fenchel und Ingwer nicht zu erschnuppern, bleibt mir wahrlich ein Rätsel!

Ich gebe also bei dem interaktiven Spiel „CurryUP!“, bewaffnet mit einem Plastikmesser, zwei Currystreuern und einer Ketchupflasche mein Bestes bei der Zubereitung virtueller Würste, und bin etwas enttäuscht darüber, dass ich es auch nach mehreren Versuchen nicht auf mehr als drei Zubereitungen in der Minute bringe. Hätte ich stattdessen verkohlte Pflanzenreste bergen müssen – ich hätte den Rekord gebrochen – ganz bestimmt!

Zu guter Letzt lasse ich mich nochmal auf dem Wurstsofa nieder und werfe einen gründlichen Blick über die kleine Ausstellung und stelle überrascht fest, dass es sich auf einer überdimensionalen Currywurst nicht nur erstaunlich gut sitzt, sondern dass ich von dieser absolut einzigartigen Ausstellung wirklich angetan bin.

Ohne Ketchup: Das Medizinhistorische Museum

Im völligen Kontrast zum kulinarischen Museum mit Spaßfaktor steht das Berliner Medizinhistorische Museum, das auf seine ganz eigene Art und Weise nicht minder außergewöhnlich ist. Im Unterschied zum Currywurstmuseum ist es hier nicht die innere Archäologin, die mich lange von einem Besuch der Ausstellung abhält, sondern viel mehr die Furcht vor der Wirkung der vielen pathologischen Präparate, die ohne jeden Zweifel auf mich zukommen werden. Und so kommt es, dass ich mir eines Tages ganz nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“ meine Freundin schnappe und mit ihr an meiner Seite den Schritt durch die Türen des hübschen Charité-Gebäudes wage.

Drinnen angekommen stehen wir zu unserer Beruhigung nicht umgehend inmitten der pathologischen Präparate, sondern in einer hellen und geräumigen Ausstellung, die uns zunächst einmal durch die Geschichte Rudolf Virchows und der Charité führt; und wenige Momente später finde ich mich auch schon auf allen Vieren vor einer Vitrine kriechend, während ich angestrengt versuche den richtigen Blickwinkel zu bekommen, um auf das Gebiss des dort ausgestellten Schädels blicken und eine eigene Altersbestimmung vornehmen zu können – ein kleines Überbleibsel des Paläopathologie-Studiums, das mich wohl für immer bei meinen Museumsbesuchen begleiten wird und ein Interessenfeld, das die wenigsten meiner Freunde mit mir teilen. Schade eigentlich – immerhin haben Skelette oftmals mehr zu berichten als so mancher Lebende.

Dauerausstellung im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité

Einen ganz besonderen Eindruck macht dann auch der „Historische Krankensaal“ auf mich, in dem nicht nur 10 eindrucksvolle Krankheitsgeschichten aus den letzten drei Jahrhunderten vorgestellt werden, sondern auch die Sicht der Patienten eine wichtige Rolle spielt.

Erst ganz am Ende der Ausstellung ist es dann so weit und wir stehen vor der Wahl, ob wir es hier gut sein lassen, oder uns doch in den Präparatesaal trauen sollen. Zu unserem Glück findet eben gerade eine Führung statt, durch die wir den Aufbau des Raumes erklärt bekommen und wir finden „das klingt gar nicht mal so schlimm!“ Gefasst auf das, was kommt, treten wir also ein in den Saal, vor dem wir uns so sehr gefürchtet haben. Er ist ebenso hell und übersichtlich gestaltet wie der Rest der Ausstellung und hat erstaunlicherweise nicht den erwarteten beklemmenden Effekt.

Tatsächlich ist es sogar unglaublich interessant zu sehen, was alles in unserem Körper Platz findet und wie sich die Organe von ihrem gesunden in einen kranken Zustand wandeln können. Und selbst die Fehlbildungen, die sich in den hintersten Vitrinen befinden, ziehen uns in ihren Bann, und wir kommen nicht umhin zu denken, dass es Hebammen gewesen sein müssen, die einst die mythologischen Wesen erfanden.

Als wir das Museum verlassen, sind wir froh darüber, über unsere eigenen Schatten gesprungen zu sein, und wir sind uns einig, dass sich ein Besuch in diesem außergewöhnlichen Museum, trotz der harten Thematik, absolut lohnt!

Mit Lara: Das Computerspielmuseum

Irgendwo zwischen dem Medizinhistorischen Museum und dem Currywurst Museum befindet sich letztendlich das Computerspielemuseum, das einerseits einen historischen Rückblick aufzeigt und andererseits vom Mitmachen und Anfassen geprägt ist. Doch obwohl ich schon immer eine begeisterte Computerspielerin gewesen bin, hielt mich auch hier lange eine innere Sorge vor einem Besuch dieses Museums zurück – die Angst vor viel Kling Bing und Spielhallenflair.

Zu meiner großen Überraschung hielt sich der Geräuschpegel aber tatsächlich in Grenzen, und so stand letzten Endes niemand außer mir selbst dem ungetrübten Museumsbesuch im Wege. Denn ich vermochte es nicht, die Prinzessin aus den Fängen Donkey Kongs zu befreien, meine Pac Man Künste waren über die Jahre erheblich eingerostet und von meinen nicht vorhandenen X-Box-moves fange ich lieber gar nicht erst an. Es ist doch erschreckend, was man über die Zeit alles vergisst, und noch erschreckender, wie schnell die Kinder den Dreh raus haben, der sich mir auch nach 10-minütigem Tastendrücken einfach nicht erschließt.

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Aber nichtsdestotrotz war es ein schönes Erlebnis vor dem legendären Pong-Automaten zu stehen, die technische Entwicklung vor Augen geführt zu bekommen und voller Begeisterung auf meine erste und niemals vergessene Konsole, die NES zu stoßen. Hätte es hier die Möglichkeit gegeben, Tetris zu spielen – ich wäre wohl heute noch dort.

Das Computerspielemuseum ist also ganz ohne Zweifel ein generationsübergreifender Spaß für Groß und Klein, denn selbst diejenigen, die nicht des Spielens wegen hier herkommen, können sich mit einer Fülle von bewegten Bildern und liebevoll gestalteten Erklärungen in eine andere, virtuelle Welt begeben. Ein absolutes Highlight aus diesem Bereich war für mich die überdimensionale Spielezeitlinie, die mit 52 Spielemitschnitten berühmter Videospiele eine besonders eindrucksvolle Installation ist. Und auch der leicht zu übersehende kleine Quiz-Raum ist, wie ich finde, eine gelungene Abwechslung von den Konsolenspielen. Hier kann man sein Wissen über PC Spiele testen und so einige Falschvorstellung durch die richtigen Antworten gerade gerückt bekommen.

Mit einem letzten Foto neben der lebensgroßen Lara Croft verabschiede ich mich vom Computerspielemuseum und begebe mich wieder in die reale Welt.

Bildnachweis: Currywurstmuseum Berlin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Computerspielmuseum Berlin

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