Der Fluch mit den Flugtarifen: Warum Gruppenreisen oft teurer sind

Ja, diese Frage kommt wirklich immer wieder – es ist aber auch nicht leicht nachzuvollziehen:

„Bei der letzten Reise unseres Fußballvereins kam ich im Flugzeug mit anderen Einzelreisenden ins Gespräch. Sie sagten mir, sie hätten für ihre Tickets nur 385,00 Euro bezahlt. Und wir haben doch als Gruppe pro Person 470,00 Euro bezahlt. Ich fand diesen Unterschied im Preis doch ganz erheblich. Gibt es dafür eine Erklärung?“

Eigentlich sollte man mit gesundem Menschenverstand denken, dass man bei einer Gruppenbuchung eine Art „Mengenrabatt“ bekommt, und das war in der Tat auch so, bis vor einigen Jahren. Heute haben die Fluggesellschaften ein ziemlich ausgeklügeltes, sog. „Yield Management“, das heißt, dass die Flugtarife entsprechend der Nachfrage und Auslastung eines Fluges gesteuert werden. Wenn eine Airline nun erwarten kann, dass ein bestimmter Flug stark ausgelastet ist, dann kann sie natürlich pokern und muss sich nicht um jeden Kunden bemühen. Eine Reisegruppe ist da ein sehr angenehmer, sicherer Kunde, denn die ist in der Regel terminlich wenig flexibel und „muss froh sein“, wenn sie ihre Plätze bekommt; vor allem, da die Fluggesellschaften ihre Arbeitsprozesse inzwischen soweit optimiert haben, dass sie in der Regel mit fast vollen Maschinen fliegen – und dem entsprechend kann man bei einer Reisegruppe also eine gute Marge auf die sichere Seite bringen.

Wenn der einzelreisende Sitznachbar im Flieger also viel billiger unterwegs ist als die Mitglieder einer Fußballmannschaft, kann das daran liegen, dass

a) eine Fluggesellschaft gerade starke Konkurrenz hat, z. B. weil eine neue Airline auf der jeweiligen Strecke eingestiegen ist und aus Werbegründen günstige Anfangspreise bietet,

b) weil ein plötzlicher Nachfrageeinbruch, z. B. wegen Terroranschlägen, zu einem Buchungsrückgang geführt hat,

c) weil man (aus den in a) und b) geschilderten oder rein statistischen Gründen) an der Auslastung eines in weiterer Zukunft liegenden Fluges zweifelt und Leute über günstige Frühbucherpreise zum Buchen veranlassen will oder umgekehrt

d) weil kurz vor Abflug noch zu viele Plätze frei sind, die man dann lieber mit geringerem Ertrag füllt.

Das Prinzip des Mengenrabatts greift eigentlich nur noch bei sehr großen Firmen, die für ihre Mitarbeiter viele Flüge zu absolvieren haben, oder bei wirklich großen Reiseveranstaltern bzw. „Ticket-Großhändlern“, die mit der Abnahme großer Kontingente für wirtschaftliche Sicherheit sorgen.

Nun könnte man natürlich sagen: dann buchen wir eben unsere Gruppe nach Einzeltarif! Bei größeren Gruppen (+6) empfiehlt sich das aber nicht, denn noch während man die Buchungen eingibt, kann das Kontingent für die günstigen Plätze ausverkauft sein, und dann kann es plötzlich sehr viel teurer werden. Da ist eine Buchung für die komplette Gruppe dann die bessere Wahl, auch wenn man immer wieder feststellen wird, dass andere denselben Flug günstiger bekommen haben.

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