Die Große Mauer: Eine unerwartete Nachmittagsreise

Große Mauer China Ananas-Marmelade von 1959

Es war bekanntermaßen so eine Sache in der DDR mit den Auslandsreisen – selbst wenn es um sozialistische Bruderländer ging … Vor ein paar Tagen nun ist uns bei einer Dachreparatur diese ungemein schmucke Trouvaille untergekommen, ein Relikt der späten 1950er Jahre, das sich unter einen Balken verkrochen hatte und neben seiner reichlich verrosteten Dose in tiefem Dornrösenschlaf lag. Oder kennt man in China ein Märchen mit Dornrösen-Plot? Wer weiß …

 

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Ich möchte mir nicht wirklich vorstellen, wie diese „Ananas-Marmelade“ der „Marke Große Mauer“ geschmeckt haben muss, auch wenn sie „unter Kontrolle der Chinesischen Nationalen Lebensmittel Export-Gesellschaft“ hergestellt worden war. Es war die Zeit des „Großen Sprungs“, und immerhin: bis nach Thüringen hat es diese Marmeladendose offenkundig geschafft.

Oder kam sie hier erst an, als die Zeichen in ihrem Herkunftsland längst auf Sturm standen? Und was wussten die Verzehrer dieses exotischen Süßkrams von der Not der chinesischen Volkskommunen in eben diesem Jahr 1959? Dachten sie irgendetwas mit Bezug zu der Kollektivierungskampagne, die eben zu dieser Zeit in ihrem eigenen Land stattfand?

Wahrscheinlich nicht, oder nicht zu viel, und schon gar nicht laut – ich vermute, dass die Leute, die diese Dose auf besagtem Dach hinterlassen haben, einfach froh waren, selbiges über dem Kopf zu haben. Um so mehr kommt die Exotik dieses alten Etiketts zum tragen, das damals eine Reise bedeutete – und heute immer noch, wenn auch eine ganz andere.

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