Langsam nach Griechenland

Im vergangenen Dezember schrieb Christoph Hennig in der ZEIT über den vergeblichen Traum vom „reibungslosen Reisen“, bzw. über die Utopie von der „Eliminierung des Zwischenraums“, an der die Menschheit seit der Erfindung der Eisenbahn arbeitet. In der Zwischenzeit ist vieles schneller geworden: Züge rasen, wenn sie fahren, mit abenteuerlichen Geschwindigkeiten durch die Landschaft; manche Autos könnten theoretisch auch in der Formel 1 mithalten, wären da nicht so viele andere unterwegs; und an den großen Luftdrehkreuzen starten und landen die Maschinen nicht mehr im Minuten- sondern im Sekundentakt – wenn nicht gerade irgend jemand streikt. Noch sind wir nicht in der Welt von Star Trek angekommen, in der die Bewegung von A nach B ganz ohne Bewegung vollzogen wird, wenigstens, solange die nötige Energie vorhanden ist. Aber davon träumen tun wir, das ist sicher. Wahrscheinlich ist es auch eine gewünschte Täuschung, dass die Wartezonen, die das moderne Reisen noch so mit sich bringt, einander immer ähnlicher werden. Flughafenhallen, Transfer-.und Duty-Free-Bereiche sind weltweit austauschbar, Nicht-Orte mit allerlei Annehmlichkeiten, die die Verzögerung zwischen Hier-Sein und Schon-dort-Sein durch gepflegte Langeweile ersticken. Dass die zivile Luftfahrt hübsche Stopover-Programme erfunden hat, ist eigentlich ein Treppenwitz dieser Entwicklung.

Denn: wer etwas vom Reisen versteht, achtet auf den Weg, den er zurücklegt. Dieser ist nämlich das Ziel, das weiß das Sprichwort am allerbesten. Unter dem Schlagwort „Langsam Reisen“ sammeln wir Reisekonzepte, die diese alte Traveller-Weisheit berücksichtigen, und fangen an mit der schönen Korfu-Bahnreise, die sich der Nürnberger Veranstalter ReNatour ausgedacht hat. Das Prinzip ist einfach: Bahnfahren und Bummeln, statt Jetten und Shoppen, Aussteigen statt Boarding, „heute hier, morgen dort“ statt „nix wie weg“.

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Mit dem Nachtzug geht es nach Venedig, und da bleibt man erst mal. Mit der Fähre geht es weiter nach Korfu, das hübsche Nichts einer kleinen Kreuzfahrt. Und dort bleibt man erst mal, wandert hierhin, wandert dorthin, genießt die schöne Insel und alles was sie zu bieten hat – um dann wieder nach Italien zurückzuschippern, bis nach Bozen, und da bleibt man erst mal. Die Südtiroler Berge sind zwei Tage Aufenthalt wert und bestimmt ein schöner Kontrast zur griechischen Landschaft auf Korfu. Am Schluss bringt einen der Bus gemächlich über die Alpen nach München, wo die Reise endet – wenn man nicht auf eigene Faust noch ein bisschen bleiben will.

Toll, dass so eine wundervolle Tippelei auch im Format einer Veranstalterreise möglich ist. Mehr über das Programm ist auf der Seite des Forum Anders Reisen zu erfahren, in dem ReNatour Mitglied ist. Hier noch wie immer ein paar Daten ohne Gewähr:

Griechenland – Der Weg ist das Ziel – Über Venedig und Bozen nach Korfu
Nächste Termine: 31.3.-13.4.2012 und 6.10.-19.10.2012
Preis: ab 1.250 Euro

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