Maraehako Bay Retreat

State Highway 35
Te Kaha
Maraehako Bay
Nr Whanarua Bay
Tel.: (0064) (0) 7 325 26 48
eMail: maraehako@xtra.co.nz

„Thanks for the ride!” Ich zeige dem Fahrer des Shuttlebusses mein dankbarstes Anhalterlächeln, als er mich am Straßenrand nach einer Fahrt mit spektakulären Ausblicken auf einer der schönsten Küstenstraßen Neuseelands herauslässt. Obwohl er einem kommerziellen Unternehmen angehört, hat er mich vor einer knappen Stunde östlich von Opotiki, einer Kleinstadt auf der Nordinsel an der Bay of Plenty gelegen, aufgelesen und ist sogar einen Umweg gefahren, um mich gratis dorthin zu bringen, wo ich hinwollte: Die Maraehako Bay Retreat Herberge.

Die Ortschaft Maraehako Bay befindet sich am State Highway 35, der sich um die spärlich besiedelte Halbinsel des „Eastlands” auf der Nordinsel herumwindet. Rauhe Felsformationen und menschenleere Sandstrände prägen die küstennahen Regionen, dichter, unzugänglicher Wald das Inland, und die Menschen – ein überdurchschnittlich hoher Anteil an der Bevölkerung zählt sich zu den Maori, den Ureinwohnern des Landes – sind freundlich, neugierig und außerordentlich gastfreundlich, wie ich in der folgenden Woche erfahren werde.

Rucksackbeladen mache ich mich auf den Weg zur Herberge, der durch mindestens fünf Schilder ausgezeichnet ist, bis ich eine steile, befestigte Einfahrt hinuntergeleitet werde. In den Beton sind „Paua” eingelassen; polierte Muschelschalen, deren Innenwände dem Betrachter in allen Farben entgegenschillern. Etwas kitschig, aber originell. Auch der Vorhof der Herberge, die, von einem Felsen geschützt, keine zehn Meter vom Wasser entfernt gebaut ist, wurde mit ganzen oder halben Paua-Muscheln verziert, und während ich das Glitzern und Funkeln bewundere, werde ich von Pihi, dem Besitzer, warm begrüßt.

Pihi, ein kleiner, temperamentvoller Halb-Maori, führt die Herberge seit sechs Jahren, nachdem er beschlossen hatte, das Haus seiner Familie für touristische Zwecke zu nutzen. Obwohl die neuseeländische Regierung wiederholt an ihn herangetreten ist, das Gebäude und das dazugehörige Grundstück an sie zu verkaufen – und zwar zu einem beachtlichen Preis, wie er sagt – weigert er sich bisher standhaft: „Land ist das Wichtigste für Maori, ohne Land sind wir nichts.” Deshalb findet sich erheblicher Widerstand in der Maoribevölkerung, wann immer Gebiete aus Maoribesitz an die Regierung verkauft werden. Für Pihi ist sein Haus in der Bay jedoch alles. „Wenn ich einmal für eine Zeitlang woanders bin, drängt es mich richtig, wieder hierher zurückzukommen.” Ich werde ihn erst vollständig verstehen können, als ich meine Reise durch Neuseeland fortsetze.

Aber vorerst lerne ich das Leben in diesem buchstäblichen Rückzugsort kennen. An einem Morgen nimmt Pihi mich und andere Gäste auf eine Bootstour mit, um Langustenfallen zu leeren, die er an mehreren Stellen im Meer ausgelegt hat. Die flachen, etwa quadratmetergroßen Käfige liegen mit rohem Fisch als Köder ausgestattet in Küstennähe auf dem Meeresgrund und sind durch farbige Kojen wiederauffindbar, die auf der Wasseroberfläche schwimmen. Wir ziehen nacheinander alle Käfige an Bord, nehmen die Langusten heraus, ersetzen den Köder, und lassen alles wieder hinunter. Languste ist in Neuseeland eine Delikatesse, für die man bis zu 30 Euro je Kilogramm bezahlt, und so fühlen wir uns entsprechend geehrt, als Pihi uns zum Mittagessen halbe Langusten auftischt, mit grünem Salat und Karotten wunderbar angerichtet.

Später sitzen wir am allabendlichen Lagerfeuer und schauen in den sternklaren Nachthimmel. Nichts, kein Auto, kein Flugzeug, kein Fernseher oder Radio stört die Ruhe, die in diesem Retreat herrscht, und unmerklich gewöhnt man sich an diese Ruhe; fern vom Abenteuer-Tourismus, den man im restlichen Neuseeland nur zu oft antrifft. Diese und alle weiteren Nächte schlafe ich vom Klang der Gischt und eines Paua-Muschel-Windspiels begleitet ein.

Als ich ein paar Tage später wieder aufbreche, wird mir klar, dass ich ein Stück perfekten Frieden und ein sich selbst genügendes Leben zurücklasse. Dem zivilisationsverwöhnten Reisenden sei deshalb gesagt: Je weiter man sich von Opotiki oder Gisborne in Richtung Ostkap hinauswagt, desto seltener werden Läden, Kneipen, Tankstellen. Dies jedoch macht den Reiz dieser Gegend aus; sie ist unverdorben in Natur und Mensch gleichermaßen.

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