Rose-Marie Füglistaller: Hallo Welt!

Rose-Marie Füglistaller, Hallo Welt - Cover

Als Rose-Marie Füglistaller 1968 aufbrach, die Welt zu bereisen, gab es sie noch: weitgehend urtümlich gebliebene Völker und Kulturen. 18 Jahre lang besuchte die gebürtige Schweizerin die Kontinente und führte Tagebuch. Erst 2003, im Alter von 70 Jahren, entschied sie, eine Auswahl ihrer Erlebnisse in einem Buch zu veröffentlichen, 2004 erschien es. Rezension von Wiebke Zollmann

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In „Hallo Welt!“ erzählt sie vom Start ihrer Reise mit einem Moped, von dem sie nicht wusste, wie man es fährt, von ihrem Arbeiten und Leben in Persien, vom Reisen durch die Sowjetunion und durch Indonesien, wo sie für eine Weile mit den Ureinwohnern lebte. Ebenso vom Aufenthalt in Japan, von Schmugglerboten, Hungerstreiks, Australien, Afrika, Medizinmännern, den USA und Südamerika. Es sind unverzerrte Momentaufnahmen, die Rose-Marie Füglistaller wiedergibt, wenn sie schwärmt und berichtet. Die Erinnerungen lesen sich beinahe wie ein Roman, flüssig und bildhaft geschildert. Füglistallers Sprache bleibt betont bodenständig, sodass manche Ungeschliffenheit vorkommt und sich eine Sammlung von Füllwörtern „halt“ durch den Text zieht, mag man verzeihen.

Als eine Backpackerin, die reiste, bevor es Mode wurde, sich als Globetrotter durch die Welt zu schlagen, kann sie sagen, dass „ich die Völker, Stämme und Kulturen, die ich besuchte und bei denen ich oftmals länger lebte, zum Teil recht ursprünglich vorfand und noch nicht vom Massentourismus korrumpiert.“ Mehrmals kritisiert die Autorin diese Form des Tourismus: Die Völker lernten, an den Touristen zu verdienen, veränderten sich um ihrer „Rückständigkeit“, mit der sie von Außen betitelt würden, zu entkommen – und entfernten sich von Kultur und Natur. Dabei wirken ihre Worte keinesfalls aufdringlich oder belehrend. Da steht jemand in den USA, der jahrelang in Asien und Afrika eine gänzlich andere Lebensweise erfahren hatte, begegnet alten Bekannten und stellt fest: „Die Arbeit wächst ihnen über den Kopf, noch mehr das gespannte Verhältnis zu den Kollegen. Jeder ist zuerst mit sich und seiner Karriere beschäftigt, auch wenn andere dabei unsanft zur Seite gedrückt werden müssen. Der Preis für Wohlstand, Ansehen und Karriere ist hier ein permanenter Stress, von dem ich mich allerdings frage, wem er nützt.“

In „Hallo Welt“ ist der persönliche Reisebericht mit Erläuterungen gut verwoben, Sachinformation und Erlebtes ergeben eine angenehme Lektüre, die einerseits zur eigenen Weltreise antreibt und andererseits bedauern lässt, dass der „organisierte Massentourismus“ sich schon viel zu weit ausgebreitet hat. Füglistaller ist überzeugt: „Und doch, mit oder ohne Komfort und Ruß, ich würde das Einst gewiss nicht mit dem Heute vertauschen.“

Hallo Welt! Globetrottereien von Rose-Marie Füglistaller
Buchverlag Andrea Stangl, Paderborn 2004
256 Seiten, 23,00 €
ISBN 3-934969-2

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