Yeguada Senillosa, Spanien

Yeguada SenillosaYeguada Senillosa
17486 Castelló d´Empuries, Spanien
Tel.: 0034 619 601 601 / 0034 972 199 001
Fax: 0034 972 199 212
eMail: senillosa@yeguadasenillosa.com

www.yeguadasenillosa.com

Jeden Abend steigt Josep, der Knecht des Gestüts, auf sein altes, klapperiges Fahrrad und bringt die mehr als zwanzig schwarzen und braunen Stuten mit ihren Fohlen von den Weiden zurück in die Stallungen. Pfeifend und schnalzend fährt er langsam über den staubigen Weg, der zum Gestüt zurückführt. Mit gespitzten Ohren und wachsamem Blick traben die Stuten hinter ihm her. Nur manchmal trödeln die Fohlen herum, so dass er warten und mit lauter Stimme nach ihnen rufen muss. Dann galoppieren sie los, bis sie wieder den Anschluss an die Herde gefunden haben.

140 Kilometer nördlich der katalanischen Metropole Barcelona, auf dem Weg zum Fischerdorf Sant Pere de Pescador an der Costa Brava liegt das Gestüt der Familie Senillosa. Kaum sichtbar weist ein Schild mit der Aufschrift „Yeguada” den Weg. Drei Kilometer Schotterpiste, vorbei an ausgedehnten Reisfeldern und zwei Rinderhöfen führt die Piste zu einer kleinen Oase, die man an der sonst so überlaufenen spanischen Küste nicht vermuten würde. Vor dem Hintergrund der Pyrenäenausläufer bestimmen Pappeln und Birken, zahllose Storche und Fischreiher im Frühsommer die Gegend.

Zentrum des ausgedehnten Landguts ist das Haupthaus, das von einem künstlich angelegten See umschlossen wird. Zwei großzügige Gästehäuser und die Stallungen gruppieren sich um den Ausreitplatz. Die Gästehäuser können ganzjährig gemietet werden und sind idealer Ausgangspunkt, um die umliegenden Städte und Strände der Costa Brava zu erkunden.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt das Fischerörtchen Sant Pere de Pescador. Beherrscht von der barocken Dorfkirche aus dem 17. Jahrhundert, ist der Ort spanisch wie man sich Spanien vorstellt und so gegensätzlich zu den bekannten Klischees der Costa Brava. Die Siesta wird von den knapp 1.000 Einwohnern strikt eingehalten und der Strand, die Platja de Sant Pere de Pescador, ist feindsandig und kilometerlang. Keine Spur von Hotelklötzen, die an zahlreichen anderen Orten der Küste den Blick auf das Meer verbauen.

Yeguada SenillosaIm einige Kilometer entfernt gelegenen Empuriabrava findet man das Gegenteil. Dicht bebaut und teilweise von zweifelhafter Schönheit wird die Stadt dem Ruf der Costa Brava gerecht. Zahllose Nachtclubs, Kneipen und Hotelkomplexe bestimmen das Stadtbild, bestechend allerdings die zahllosen Kanäle, die die Stadt durchziehen und der Yachthafen, wo man auf das trifft, was die Region noch heute ausmacht: die Kunst. Die Gegend ist Dalí-Land und avantgardistische Kunst auch weiterhin in den Kunstgalerien vertreten. So in der Galeria Empori des Katalanen, Galeristen und ehemaligen Dalí-Freund Ismael Planells, der dem Besucher einen Ausflug in das wahre Dalí-Zentrums der Gegend empfiehlt: nach Figueres. Ein Städtchen mit 35.000 Einwohnern, in das jährlich 750.000 Personen kommen, um im Dalí-Museum das Vermächtnis und die Überreste des genialen Anarchisten des Surrealismus zu besuchen. Das ehemalige, im Bürgerkrieg zerstörte Theater und heutige Museum präsentiert sich in einem warmen Rot-Ton, garniert von übergroßen Gipseiern auf den Mauern und gekrönt von großartigen Kunstwerken des exzentrischen Meisters. Es verwundert nicht, dass das Museum nach dem Prado in Madrid und dem Guggenheim Museum in Bilbao das meistbesuchte Museum Spaniens ist.

Von Figueres aus geht es Richtung Küste, die lange Zeit Anziehungspunkt für Künstler wie Garcia Lorca, René Magritte, Luis Buñuel oder Man Ray war. Nach nur 30 Kilometern Fahrt kommt man in das Fischerstädtchen Cadaqués, dort wo Dalí zum ersten Mal seine Muse, große Liebe und spätere Frau Gala sah. Bis heute scheint sich nicht viel verändert zu haben: die Stadt ist unverschandelt und Dalí überall präsent: im Museum des englischen Offiziers Peter Moore, Freund Dalís und Sammler seiner und Picassos Bilder oder in der Kneipe El Jardí de l´Hostal, wo der Künstler nach getaner Arbeit häufiger Gast war.

Nur wenige Minuten von Cadaqués entfernt liegt Portlligat, wo Dalí die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Sein Wohnhaus, labyrinthisch und mit den obligatorischen Eiern, kann heute besucht werden.

Wenn man dann abends auf die Yeguada zurückkehrt, ist es schwer vorstellbar, dass jährlich 20 Millionen Touristen an die Costa Brava kommen. Abgeschieden und ruhig liegt das Gestüt in der ländlichen Gegend. Mit ein bisschen Glück kann der Besucher noch zusehen, wie Pferde mit klangvollen Namen wie Carlo I, Guapo oder Limonera trainiert werden. Ganz sicher aber sieht er noch Josep, der wie jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang auf seinem alten klapperigen Fahrrad die Stuten und Fohlen von den Weiden in die Stallungen zurückbringt und dabei schnalzend und pfeifend den staubigen Weg entlangfährt.

Fotos: Yeguada Senillosa

Kategorie:Kleine Erdkunde

Stefan Rennicke hat lateinamerikanische und iberische Geschichte, neuere und mittlere Geschichte sowie Volkswirtschaft an der Universität Köln und der Nationaluniversität von Córdoba/Argentinien studiert. Promotion in lateinamerikanischer Geschichte. Zahlreiche Auslandsaufenthalte in Lateinamerika, insbesondere in Argentinien und Brasilien, weitere Reisen durch die USA, Europa und Indien.

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